Zwischen Spreebogen und Turmstraße,

Innenministerium und Haftanstalt,

liegen viele kleine und große Träume,

Tragödien und Talente.

 

Hier ist...

Twentyone Moabit

...hier spricht man Moabitisch.

 

Ein Dokumentarfilm über ein soziokulturelles Projekt, in dem sich Jugendliche mit dem Thema Antisemitismus und Islamophobie auseinandersetzen.

 

Regie, Kamera und Ton: Atilio Menéndez
Buch und Schnitt: Atilio Menéndez, Frank Gerhardt

Musik: Les Haferflocken Swingers

Spiellänge: 74 min.

 

  

--> Webseite des Theaterprojekts

 

 

21 – diese Zahl springt einem immer wieder ins Auge, wenn man in Berlin Mitte durch die Straßen läuft – als Graffiti an Hauswänden oder als Aufnäher an den Kapuzenshirts junger Halbstarker. Was hat diese Zahl zu bedeuten? Der Code einer Untergrundgang? Ein mythisches Datum, an das erinnert werden soll?

Nein, die 21 steht für einen Stadtteil, der, besonders seitdem dort nach den Pariser Krawallen einige Autos in Flammen aufgingen, in der lokalen Boulevardpresse als „Hort der Kriminalität“ gebrand-markt wird: Moabit, oder besser Twentyone Moabit
, wie ihn die dort lebenden Jugendlichen stolz nennen.

Der gleichnamige Dokumentarfilm begleitet über ein Jahr lang Moabiter Jugendliche mit Migrations-hintergrund in ihrem Theaterprojekt "Grenzen-Los!", wo sie das Theaterstück "Intifada – im Klassenzimmer?!?"
erarbeiten. Darin befassen sie sich mit Antisemitismus und Islamophobie und verarbeiten eigene Diskriminierungserfahrungen auf theatrale Weise. Entgegen der verbreiteten Tendenz, Konflikte ethnisch zu begründen, verstehen sich die Jugendlichen aus dem Libanon, Iran, Griechenland oder der Türkei selbst als ‚Moabiter’, die vor allem ihre soziale Situation verbindet.

Neben der Entwicklung und den Proben des Theaterstückes wurde den Jugendlichen ein umfassendes Bildungsprogramm geboten, unter anderem mit Zeitzeugengesprächen, einem Nahost- und einem Islamophobie-Workshop, einem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager und einer Diskussion mit einer Israelisch-Palästinensischen Friedensdelegation. Heute beschäftigen sich die Jugendlichen, die zu Beginn des Projektes die Bezeichnung ‚Jude’ nur als Schimpfwort kannten, ernsthaft mit der Biographie der Holocaust-Überlebenden Hedy Epstein. Der Film zeigt diesen Prozess und widerspricht dem allgemeinen Bild, dass solche Jugendlichen die Fähigkeit zur konstruktiven gesellschaftlichen Partizipation absprechen.

Was Bildung und Förderung bewirken können, wird anhand der Hauptcharaktere sichtbar: Die 13-jährige Franziska, die sich als anfangs schüchternes Mädchen selbstbewusst gegen alle Jungs behauptet; der 18-jährige Hossein, der sich zum Startänzer entwickelt und Verantwortung in der Gruppe übernimmt; oder der 17-jährige Kevin, der anfängt, politische Zusammenhänge zu erkennen und in Diskussionen überzeugend zu argumentieren.

Über die bloße Dokumentation des Theaterprojektes hinaus gewährt der Film einen Einblick in die Lebenswelten junger Menschen in einem sozialen Brennpunkt: Schulstress, Zukunftsängsten, der manchmal schwer lastenden Traditionen des Elternhauses und ein Wunsch nach kreativer Entfaltung und einem selbstbestimmten Leben.

Es handelt sich aber keinesfalls um eine düstere sozialwissenschaftliche Studie: Von der ersten Minute an bringen einen die Jugendlichen mit ihrer unverblümten Sprache, ihrer Lebensfreude und Energie in Schwung und sorgen immer wieder für Lacher.

Atilio Menéndez begleitete als Regisseur und Kameramann gleichzeitig die Jugendlichen bei allen Aktivitäten. Sie bemerkten seine Anwesenheit kaum noch und verhielten sich vollkommen ungezwungen. So hat man am Ende des Films das Gefühl, Franziska, Hossein, Kevin und die anderen persönlich zu kennen und Teil ihrer Geschichte zu sein.

 

Kontakt:

 

Atilio Menéndez

+49 30 61306733

atilio -at- arcor.de

 

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