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21 – diese Zahl springt einem immer wieder ins Auge, wenn man in Berlin
Mitte durch die Straßen läuft – als Graffiti an Hauswänden oder als Aufnäher
an den Kapuzenshirts junger Halbstarker. Was hat diese Zahl zu bedeuten? Der
Code einer Untergrundgang? Ein mythisches Datum, an das erinnert werden soll?
Nein, die 21 steht für einen Stadtteil, der, besonders seitdem dort nach den
Pariser Krawallen einige Autos in Flammen aufgingen, in der lokalen
Boulevardpresse als „Hort der Kriminalität“ gebrand-markt wird: Moabit, oder
besser Twentyone Moabit, wie ihn die dort
lebenden Jugendlichen stolz nennen.
Der gleichnamige Dokumentarfilm begleitet über ein Jahr lang Moabiter
Jugendliche mit Migrations-hintergrund in ihrem Theaterprojekt
"Grenzen-Los!", wo sie das Theaterstück "Intifada – im
Klassenzimmer?!?" erarbeiten. Darin
befassen sie sich mit Antisemitismus und Islamophobie und verarbeiten eigene
Diskriminierungserfahrungen auf theatrale Weise. Entgegen der verbreiteten
Tendenz, Konflikte ethnisch zu begründen, verstehen sich die Jugendlichen aus
dem Libanon, Iran, Griechenland oder der Türkei selbst als ‚Moabiter’, die
vor allem ihre soziale Situation verbindet.
Neben der Entwicklung und den Proben des Theaterstückes wurde den
Jugendlichen ein umfassendes Bildungsprogramm geboten, unter anderem mit
Zeitzeugengesprächen, einem Nahost- und einem Islamophobie-Workshop, einem
Besuch im ehemaligen Konzentrationslager und einer Diskussion mit einer
Israelisch-Palästinensischen Friedensdelegation. Heute beschäftigen sich die
Jugendlichen, die zu Beginn des Projektes die Bezeichnung ‚Jude’ nur als
Schimpfwort kannten, ernsthaft mit der Biographie der Holocaust-Überlebenden
Hedy Epstein. Der Film zeigt diesen Prozess und widerspricht dem allgemeinen
Bild, dass solche Jugendlichen die Fähigkeit zur konstruktiven
gesellschaftlichen Partizipation absprechen.
Was Bildung und Förderung bewirken können, wird anhand der Hauptcharaktere
sichtbar: Die 13-jährige Franziska, die sich als anfangs schüchternes Mädchen
selbstbewusst gegen alle Jungs behauptet; der 18-jährige Hossein, der sich
zum Startänzer entwickelt und Verantwortung in der Gruppe übernimmt; oder der
17-jährige Kevin, der anfängt, politische Zusammenhänge zu erkennen und in
Diskussionen überzeugend zu argumentieren.
Über die bloße Dokumentation des Theaterprojektes hinaus gewährt der Film
einen Einblick in die Lebenswelten junger Menschen in einem sozialen
Brennpunkt: Schulstress, Zukunftsängsten, der manchmal schwer lastenden
Traditionen des Elternhauses und ein Wunsch nach kreativer Entfaltung und
einem selbstbestimmten Leben.
Es handelt sich aber keinesfalls um eine düstere sozialwissenschaftliche
Studie: Von der ersten Minute an bringen einen die Jugendlichen mit ihrer
unverblümten Sprache, ihrer Lebensfreude und Energie in Schwung und sorgen
immer wieder für Lacher.
Atilio Menéndez begleitete als Regisseur und Kameramann gleichzeitig die
Jugendlichen bei allen Aktivitäten. Sie bemerkten seine Anwesenheit kaum noch
und verhielten sich vollkommen ungezwungen. So hat man am Ende des Films das
Gefühl, Franziska, Hossein, Kevin und die anderen persönlich zu kennen und Teil
ihrer Geschichte zu sein.
Kontakt:
Atilio Menéndez
+49 30 61306733
atilio -at- arcor.de
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